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ERELEBNISWELT RECHTSEXTREMISMUS vermittelt das Gefühl von Überlegenheit 

Jeder Mensch möchte Anerkennung bekommen und sich zu anderen Menschen zugehörig fühlen. Die rechtsextreme Szene kann genau dies vermitteln. Einerseits wird durch Gruppenaktivitäten ein Gefühl von Gemeinsamkeit und Kameradschaft geschaffen, andererseits können die Gruppenmitglieder durch die gemeinsamen Aktivitäten und das Sich-Einsetzen-für-die-Gruppe Anerkennung gewinnen. Die Aktivitäten sind vielseitig, z.B. Feste, Schulungslager, Zeltlager, Liederabende, politische Veranstaltungen, Konzerte und sie wirken verlockend vor allem auf Jugendliche und transportieren besonders leicht rechtsextreme Ideologie, indem sie das Gefühl von Überlegenheit vermitteln und zur Herabstufung Andersdenkender beitragen. Dabei ist die MUSIK das Element, das rechtsextreme Ideologie über gewaltverherrlichende und menschenverachtende Texte transportiert und schließlich Hemmschwellen abbaut und Gewalt provoziert.  

Solange vorherrschende Werte und Normen nicht kritisch hinterfragt werden und die bestehende Hierarchie eingehalten wird, kann ein Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft erlebt werden. Mit der Gesinnung wird auch das Gefühl von Überlegenheit vermittelt, was wiederum zur Herabstufung von Andersdenkenden beiträgt.  

Insgesamt lässt sich nur ein grobes Raster der rechten Szene darstellen. Die althergebrachte Eindeutigkeit gibt es kaum noch. Es gleicht mehr einem Patchwork aus verschiedenen Szenen, Styles und Symbolen.  

Eine bedeutende Schnittstelle ist ein martialischer Männerkult und das ihm anhängende Image von Macht und Stärke. Die Inszenierung der Männlichkeit zeigt sich in verschiedenen Rollenmodellen:  

  • Der politische Soldat 

  • Der „urwüchsige Mann mit langem Vollbart und Runen-Abzeichen 

  • Der hypermaskuline Kämpfer, der sich körperbetont und mit einem ausgeprägten Körperkult an Tätowierungen zu inszenieren weiß: 

  • Kämpferisch, Stark, Mächtig  

  • Rockeroutfit – Kutte 

Da sich die rechte Szene, wie viele anderen Szenen auch, im ständigen Wandel befindet, ist es schwer, sie vollständig zu erfassen. Demzufolge bietet dieser Abschnitt einen aktuellen Überblick und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 

Es folgt ein Überblick über diverse Gruppen, Strömungen und Milieus, die der rechten Szene ganz oder teilweise zugeordnet werden können: 

Identitäre Bewegung:1 Ihre Anfänge liegen in Frankreich. Ihr ästhetisches Ideal ist ein sportlicher Körper, doch es wird vermieden, allzu martialisch zu erscheinen. Stattdessen wollen sie smart und feinsinnig wirken: Wir sind jung, akademisch und feinsinnig. Ihre Propaganda verbreiten sie in den neusten Medien, zum Beispiel auf Instagram. 

Sie verfolgen eine ausgefeilte Medienstrategie: Auftritte werden von nur wenigen Aktivisten durchgeführt und dann als mediale spektakuläre Aktionen inszeniert. Sie platzieren an öffentlichkeitswirksamen Plätzen Losungen, die durch ständige Wiederholungen haften bleiben: „Heimat.Freiheit.Tradition“, „Remigration“, „Defende Europe“, „Reconquista“, „Der große Austausch“. 

Die Identitären verstehen sich als Avantgarde im vermeintlichen Abwehrkampf gegen den Islam. Ein historisches Vorbild sind die Krieger des griechischen Sparta, die sich 480 v. Chr. Im Kampf „für Volk und Heimat“ einem übermächtigen persischen Heer gestellt haben. Deren Kampfsymbol war der griechische Buchstabe Lambda. Er bildet heute das Symbol der IB und wurde von ihnen als Markenzeichen eingetragen.  

Rockermilieu2: Oft steht die Szene im Rockermilieu in Verbindung mit sogenannten Rotlicht-Geschäften. Auch das Tattoo-Business, Kampfsport-Schulen oder Security-Dienste sind beliebte Bereich, in denen Szeneanhänger aktiv sind. Diese Milieus können ein Gefühl von Aufstieg vermitteln, von Macht- und Statusgewinn. Das martialische Männerbild passt hier sehr gut in dieses Weltbild und wird noch unterstützt oder verstärkt.  

Fußball-Ultras und Hooligans3: Die Fußball-Ultras gelten als größte Jugendkultur in Europa. Sie bilden politisch kein einheitliches Bild. Es sind sowohl Anti-rechte Ultragruppen zu finden, als auch Ultragruppen, in denen extreme Rechte auftreten und dominieren. 

Skinheads4: Sie prägten bis in die 1990 Jahre das Bild der Neonaziszene in Deutschland. Ihr typisches Auftreten - Glatze, Bomberjacke und Doc-Martens-Stiefel, „Renee“ -    sind außer Mode gekommen. Darüber hinaus gibt es noch antifaschistische Skinheads, mit einem ähnlichen äußeren Erscheinungsbild, die mit linken Strukturen verbunden sind.  

Autonomen Nationalisten5: Die selbsternannten „Autonomen Nationalisten“, agieren im Stil von den radikalen Linken. Sie treten auf Demos, schwarz gekleidet und vermummt, im Block auf. Sie nutzen Slogans, die mit Linken verknüpft sind: gegen Kapitalismus, gegen Imperialismus und Globalisierung, manchmal für Tierrechte und Vegetarismus.  

Auch das Logo der Antifa-Bewegung (eine rote und schwarze Fahne im Kreis) wurde kopiert und mit dem Schriftzug „Nationale Sozialisten“ versehen. Ebenso mit einem neuen Schriftzug versehen wurde das Logo antifaschistischer Hardcore-Anhänger: „Good night white pride“ („Gute Nacht weißer Stolz“) wurde ersetzt durch „Good night left side“. („Gute Nacht Linke Seite“) 

NS-Nostalgische (Völkische)6: Völkische Rechtsextreme sind Gruppen, die sich ideologisch und stilistisch möglichst konsequent am historischen Nationalsozialismus orientieren. Sie schützen „deutsches Brauchtum“ und betreiben „körperliche Ertüchtigung“. Die Männer kleiden sich in Zimmermannshose und tragen Bärte, die Frauen lange Haare und Röcke. Sie kaufen oft Häuser und Höfe in Regionen, die von Landflucht betroffen sind. „Sie betreiben Biolandwirtschaft, sind Ökobaustoffhändler oder Schmiede. Andere arbeiten als Erzieher, Hebammen oder Gärtner.7“ (dlf) Viele schotten sich nach außen hin ab und versuchen sich und ihre Kinder von modernen Einflüssen fernzuhalten. 

Living History (gelebte Geschichte) und Reenactment (Nachstellung)8: Hier ist die Unterscheidung wichtig, zwischen einer seriösen Darstellung der geschichtlichen Epochen und der ideologischen Aufladung, zum Beispiel vom Germanentum.  Wenn rechte oder neonazistische Gruppen Living History betreiben, wird dies oft eine Zurschaustellung von rechten Symbolen, die historisch nicht nachvollziehbar bzw. falsch ist.  

Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)/Junge Nationale (JN)9: Die NPD ist die älteste noch bestehende neonazistische Partei in Deutschland. Sie hat ca. 5000 Mitglieder und Anfang 2017 immer noch 300 kommunale Mandate inne. Die Jugendorganisation sind die Jungen Nationaldemokraten (JN), sie treten sowohl völkisch als auch modisch angepasst auf.  

Die Rechte10: Die Partei wurde „unter maßgeblicher Mitwirkung von ehemaligen Mitgliedern der rechtsextremen DVU in Hamburg gegründet, nachdem diese die DVU aus Protest gegen die Fusion mit der NPD verlassen hatten.“ Sie hatte Anfang 2017 mehrere Landesverbände und bundesweit 8 kommunale Mandate. Der Verfassungsschutzbericht 2016 hält fest, dass "Neonationalsozialismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit" die ideologischen Schwerpunkte der Partei sind. 

Der Dritte Weg (III. Weg)11: Die Partei wurde 2013 gegründet, von ehemaligen Anhängern der NPD und Aktivisten der Kameradschaftsszene aus dem Südwesten Deutschlands. Ideologisch und ästhetisch steht diese in der Tradition des historischen Nationalsozialismus. Die III im Logo steht für das weltanschauliche Fundament der Organisation: Der politische Kampf, der kulturelle Kampf und der Kampf um die Gemeinschaft. Die Aufmärsche sind geprägt von den Farben Schwarz – Weiß – Rot, von voranschreitenden Trommlern, Fackelformationen und Fahnenblöcken.  

Freie Kameradschaften12: Die Freien Kameradschaften sind meist regional aktive, eigenständige Basisgruppen - auch als Freie Nationalisten und Nationaler Widerstand benannt. Viele der Gruppen sind eng mit der NPD oder der Partei Die Rechten verbunden.  

Blood & Honour13: Hierbei handelt es sich um ein internationales Neonazi-Skinhead-Netzwerk. Der Schwerpunkt liegt auf der Produktion von Rechtsrock und der Durchführung von Konzerten. Die Organisation wurde 1987 von Ian Stuart Donaldson, von der Band Screwdriver, gegründet. Im Jahr 2000 wurde die Organisation in Deutschland verboten. Übersetzt bedeutet der Name „Blut und Ehre“, was den auf dem Fahrtenmesser der Hitler Jugend eingravierten Sinnspruch zitiert und einen Bezug zu den Nürnberger Rassengesetzen des NS herstellt.  

Hammerskins/Crew 3814: Es handelt sich um ein internationales Neonazi-Skinhead-Netzwerk mit elitärem Selbstverständnis, welches 1986 in den USA gegründet wurde. Der Kern der deutschen Hammerskins besteht aus ca. 150 Personen. Ihr Unterstützerkreis ist größer und sammelt sich als Crew 38. Sie veranstalten Konzerte, sind in Deutschland führend in der Produktion von Rechtsrock und zeigen starke Affinität zu rechtem Terror über die Verehrung der Gruppe The Order (eine ehemals aktive, rassistische und neonazistische Gruppe in den USA). Von ihnen gingen in Deutschland vielfach schwere Gewalttaten aus.  

Hooligans gegen Salafismus (HoGeSa)15: Das Netzwerk entstand 2014. Es erreichte neben Neonazis auch erlebnisorientierte Fußballfans. Als Aktionszusammenhang tritt es kaum mehr in Erscheinung, da es sich an Streit und Spaltungen aufgerieben hat. Es wird noch gern als Label vermarktet, gemeinsam mit dem HoGeSa-Motto „Die Familie hält zusammen“ oder „Gemeinsam sind wir stark“. 

Gemeinsam Stark Deutschland (GSD)16: Das Netzwerk entstand Ende 2014 aufgrund von dem Richtungs- und Führungsstreitigkeiten bei HoGeSa. Im Januar 2015 wurde es als Verein gegründet. In unregelmäßigen Abständen werden Kundgebungen durchgeführt, in großer Mehrheit werden Neonazis erreicht. GSD versteht sich als Schutzmacht für „Volk und Heimat“.  

Graue Wölfe17: So bezeichnen sich die Anhänger der türkisch nationalistischen Ülkücü-Bewegung (Idealisten-Bewegung), die auch seit Jahrzehnten in Deutschland existieren. Die Gründergeneration 1960 in der Türkei war von der Idee des Faschismus beeinflusst. Ihre Ideologie basiert auf der Errichtung eines großtürkischen Reiches, was unter anderem die Vertreibung nicht türkisch-sunnitischer Bevölkerungsgruppen wie Kurden, Aleviten und Armenier einschließt. Ebenso Feindbilder sind Juden, Homosexuelle, Roma und Linke. Als Symbole gelten die „Drei Halbmonde“, auch dargestellt als „cCc“, und der Wolfsgruß (Mittelfinger und Ringfinger zum Daumen, kleiner Finger und Zeigefinger nach oben gerichtet).  

Reichsbürger18: Die Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik als Staat nicht an. Viele Anhänger halten den Staat für das Produkt einer jüdisch-kapitalistischen Verschwörung. Sie verweisen auf das angebliche Fehlen eines Friedensvertrages mit den Alliierten. Daraus leiten sie ab, dass Deutschland kein souveräner Staat sei, sondern eine private Firma (bezeichnet als BRD-GmbH) und deren Bürger nur ihr Personal stellten. Demzufolge weigern sie sich Steuern und Bußgeldern zu bezahlen.  Eigene Fantasiestaaten werden gegründet und dafür Wappen und Ausweisdokumente entworfen. Die Argumente der Reichsbürger, die darauf abzielen den Staat und seine Gesetze nicht anzuerkennen, werden von vielen Personen (nicht nur) der extremen Rechten aufgenommen.  

Quellenverzeichnis